Auszubildende besuchen größte Binnenschifffahrtsmesse

Neunzig deutsche und niederländische Auszubildende technischer Ausbildungsgänge aus der Euregio Rhein-Waal haben am 24. und 25. September die größte Binnenschifffahrtsmesse Europas in Kalkar, die „Shipping Technics Logistics“, besucht. Dort haben sie zum ersten Mal Bekanntschaft mit der Binnenschifffahrtsbranche gemacht, in der ein großer Mangel an technischem Fachpersonal herrscht.

Chancen für die Zukunft

Lambert Teerling, Berater der Ler(n)enden Euregio: „Ein wichtiges Ziel des Projekts Ler(n)ende Euregio ist es, sich Berufe näher anzuschauen, in denen es einen Mangel an Arbeitskräften gibt, so wie etwa in der Mechatronik, der Logistik und im Bereich Hotels, Restaurants und Gaststätten. Zu diesem Zweck veranstalten wir Plattformtreffen, Austausche und Berufswettbewerbe. Auf der Binnenschifffahrtsmesse Shipping Technics Logistics in Kalkar haben wir mitten auf der Messe einen herausfordernden euregionalen Mechatronikwettbewerb für deutsche und niederländische Auszubildende aus dem Technikbereich organisiert. Das Projektteam hatte zusätzlich die Idee, auch Schulen aus unserem Netzwerk in der Euregio einzuladen, um die Messe zu besuchen. Wir sehen darin eine Chance, Jugendliche stärker in Kontakt mit dem euregionalen Arbeitsmarkt zu bringen und sich so im Hinblick die Chancen für die Zukunft zu orientieren. Wir glauben, dass sich daraus etwas Schönes entwickeln kann.“ Das Berufskolleg Rheydt-Mülfort für Wirtschaft und Verwaltung, das ROC Rijn IJssel, das Aventus Apeldoorn und das ROC De Leijgraaf haben etwa 90 Auszubildende mitgebracht.

 

Mentalität

Messeleiter Leon Westerhof war sofort von der Idee angetan: „Wir sollten im nächsten Jahr noch mehr Auszubildende begrüßen wollen. Es herrscht ein großer Mangel an technischem Personal in der Binnenschifffahrtsbranche. Umgekehrt ist es für diese Jugendlichen interessant zu sehen, was alles möglich ist. Sie können miteinander diskutieren. Das hat einen enormen Nutzen.“ Der Manager kommt kurze Zeit später mit einer niederländischen Auszubildenden ins Gespräch, die erzählt, dass sie gern im Innenausbau arbeiten möchte, es aber schwierig findet, sich auf der Messe zurechtzufinden. „Hast du schon mit Wessels gesprochen?“, fragt er sie und nimmt sie gleich mit, um sie diesem deutschen Betrieb für Innenausbau bei Schiffen vorzustellen.

Der Messestand von Draaijer Turbo Service erfreut sich bei den Auszubildenden großer Beliebtheit, weil dort ein Simulator für Autorennen steht. Gerard Keijzers: „Ich finde es eine gute Idee, dass jetzt auch Schulen kommen. Vor allem die Auszubildenden im letzten Ausbildungsjahr finde ich interessant, weil sie im nächsten Jahr anfangen werden zu arbeiten.“ Den Schulen würde er gern mit auf den Weg geben, im Unterricht auch auf die Mentalität einzugehen, die erforderlich ist, um im Technikbereich zu arbeiten. „Wir suchen Leute, die keine Neun-bis-fünf-Uhr-Mentalität haben. Bei uns muss man auch schon mal am Wochenende und an den Abenden arbeiten. Diese Flexibilität vermisse ich bei den Praktikanten oft. Beim Euregionalen Mechatronikwettbewerb mitzumachen ist, glaube ich, eine gute Möglichkeit, flexibler zu werden.“

 

Im Gespräch

Eine kleine Gruppe von Ausbildenden des Rijn IJssel, die eine sog. „Entreeopleiding“, also eine Art Ausbildungseinstiegsqualifizierung für Jugendliche ohne Schulabschluss absolvieren, steht staunend vor einer riesigen Fotowand, auf der ein Binnenschifffahrtshafen abgebildet ist. Der Lehrer zeigt ihnen, wie das Be- und Entladen vor sich geht. Eine Gruppe aus dem ROC De Leijgraaf beschäftigt sich auf der anderen Seite der Halle A gemeinsam mit den Aufträgen, die sie erhalten hat. „Beschreibe die Messe in hundert Worten“, lese ich. Dafür muss die Gruppe Erkundigungen einholen. Alle Auszubildenden kommen hier zum ersten Mal mit der Binnenschifffahrt in Berührung. „Das Gespräch mit einem deutschen Betrieb aufzunehmen, finde ich schon schwierig, denn ich spreche kein Deutsch“, höre ich. Für die Auszubildenden des Mechatronikwettbewerbs ist das neben den sieben technischen Challenges ebenfalls ein wichtiger Auftrag. Für sie ist es etwas einfacher, weil sie als deutsch-niederländische „Buddies“ zusammenarbeiten und gemeinsam das Gespräch mit dem Betrieb suchen müssen, das für sie interessant sein könnte. Sie können sich gegenseitig beim Übersetzen helfen. Zwei Stunden später treffe ich die Gruppe vom ROC De Leijgraaf erneut: „Ich merke jetzt, dass ich einen besseren Eindruck von dieser Branche bekommen habe. Es könnte für mich auch interessant sein. Ich hätte gern mehr Gespräche mit Betrieben geführt.“

Lambert Teerling: „Wir werden auf den Fachmessen, auf denen wir Wettbewerbe veranstalten, in Zukunft sicher öfter Schulen einladen. Wir werden jetzt mit den Plattformen überlegen, wie wir den Auszubildenden besser bei der Vorbereitung helfen können, beispielsweise, indem sie einen schriftlichen Lebenslauf mitnehmen, damit sie es einfacher haben, das Gespräch mit den Betrieben aufzunehmen.“